Ja, liebe Besucher meiner Homepage, auf der Startseite habe ich Sie mit meinem Anliegen schon vertraut gemacht. Nun möchte ich das Problem, wie sollte es in der Weihnachtszeit auch anders sein, in der Form eines kleinen Märchens darstellen:


Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, da kamen die Menschen auf die Idee, die gut schmeckenden Weintrauben auch dort ernten zu wollen, wo die natürlichen Verhältnisse es eigentlich nicht erlaubten.
Es gab eine Vielzahl von Interessenten für den Anbauversuch. Und nachdem sie in südlichen Gefilden die herrlichen Weinstöcke mit dem reichlichen Traubenbesatz bewundert hatten, begannen sie Flächen für das Bepflanzen vorzubereiten. Diejenigen, die bei diesem ersten Schritt nicht beachteten, dass der Boden eine bestimmte Struktur und Qualität aufweisen musste und auch die Lage zur Sonne eine wesentliche Grundbedingung war, hatten schon am Anfang schlechte Voraussetzungen dafür gewählt, einmal einen schmackhaften Wein zu ernten. Da ihnen dies nicht bewusst war oder sie diese wichtigen Bedingungen nicht erkannten, begannen sie mit dem Pflanzen der Rebstöcke. Dabei wiederum übersahen einige der „Neuwinzer“, dass sich nicht alle Rebsorten für die doch relativ unwirtliche Gegend nördlich der traditionellen Weinanbaugebiete eigneten. Auch dieser Umstand führte zwangsläufig nur zu Teilerfolgen oder gar zum völligen Misserfolg.
Nun gab es eine recht große Gruppe von Weinbauern, die hatte die Grundbedingungen vorbildlich eingehalten: sehr gute Bodenbeschaffenheit, eine Hanglage mit langem Sonneneinfall und passende Rebsorten. Unter ihnen setzte nun aber ein Streit ein, wie die gerade angewachsenen Rebstöcke behandelt werden müssen.
Die eine Gruppe, es waren vor allem Menschen, die schon länger in der Gegend das Sagen hatten, vertrat die Auffassung, dass man die jungen Rebstöcke erst mal einige Jahre so wachsen lassen sollte, wie es ihrer Natur entsprach.
Die andere, hierbei handelte es sich um Menschen, die sich mit den Grundlagen und historischen Wurzeln des Weinanbaus beschäftigt hatten und ihr Wissen auch aus positiven Erfahrungen anderer Weinbauern, sogar des Auslandes, ableiteten. Sie waren der Meinung, die Rebstöcke in den ersten Jahren durch einen „Erziehungsschnitt“ zu kräftigen und so zum Tragen einer großen Menge süßer Weintrauben anzuregen.
Der Streit nahm immer schärfere Formen an und führte sogar dazu, dass die mächtigere Gruppe, die ja schon längere Zeit das Sagen hatte, die kleinere, aber erfolgreichere Gruppe einfach negierte.
Um den Bedarf an Weintrauben zu decken, holte man Wein aus anderen Ländern. Ja, man scheute sich nicht einmal davor, gut geratenen Wein aus der missachteten Gruppe als eigenes Produkt anzubieten.
Und so stritten und stritten und stritten sie sich, wer wohl mit seinem Vorgehen auf dem richtigen Wege wäre.
Und wenn sie nicht gestorben sind, so streiten sie sich auch noch heute

( Abgelegt am 01.02.2009 )

  

 
            
  
                        Deutschland – ein Bildungsland mit Perspektive ? 


Zu ganz bestimmten Zeiten innerhalb des Jahresablaufs widmen die Medien der Bildung und Erziehung in unserem Lande mehr Aufmerksamkeit als normalerweise üblich. Der Anlass des gesteigerten Interesses ist gewissermaßen schon „traditionell“. Entweder finden im darauf folgenden Zeitraum auf Landes- oder Bundesebene Wahlen statt, dann ist es für die antretenden Wahlbewerber wichtig, zu betonen, dass sie sich besonders für die höhere Qualität in Bildung und Erziehung einsetzen werden. Leider wird dieses Versprechen nach den Wahlen zu schnell vergessen. Oder es steht wieder einmal ein Test ins Haus, aus dem Rückschlüsse auf die im Lande geleistete pädagogische Arbeit gezogen werden ( können! ). Hier verstehen es die Verantwortlichen immer besser, durch Veränderung der Be-und Auswertungsmaßstäbe, trotz inhaltlichen Stillstands einen Fortschritt nachzuweisen.
Neuerdings gibt es einen weiteren Zeitraum, in dem die Bildungs- und Erziehungsergebnisse eine nicht unwichtige Rolle spielen. Es ist die Zeit, in der sich die Absolventen der einzelnen Bildungsgänge in weiterführenden Bildungseinrichtungen oder zu einer beruflichen Ausbildung bewerben.
Hervorgerufen durch den demographischen Wandel, nimmt die Zahl der Bewerber um Ausbildungsplätze kontinuierlich ab. Das bedeutet einerseits, dass eine relativ große Anzahl von Ausbildungsplätzen frei bleibt, und andererseits aber festgestellt werden muss, dass das Niveau der Bewerber hinsichtlich ihrer Ausbildungsreife oft sehr niedrig ist. Fehlende Grundkenntnisse und –fertigkeiten, zu geringe Motivation und Anstrengungsbereitschaft sowie eine nicht zu übersehende Unbelehrbarkeit sind die am häufigsten auftretenden Defizite unter den Bewerbern.
Ein betriebseigener Nachhilfeunterricht, wie er in der Lausitz von einigen Betrieben praktiziert wird, kann sicher nicht die Lösung der genannten Probleme sein.
Ganz einfach und allgemein gesagt, muss es Veränderungen in der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen geben, bevor sie sich um eine Fortführung ihrer Ausbildung bewerben. Mit anderen Worten: Die Erziehung und Bildung der jungen Generation bedarf einer deutlichen Verbesserung durch tief greifende Veränderungen im Bildungssystem.
Dazu ist es notwendig, zwei grundlegende Aufgaben zu lösen :
1. Die Gesamtstruktur des Bildungswesens in der Bundesrepublik Deutschland muss von Grund auf verändert werden. Diese Aufgabe kann nur durch die Bundesregierung gelöst werden.
( Überwindung des kleinstaatlichen Bildungsföderalismus ; gleiche Bildungsgänge und Schulabschlüsse in allen Bundesländern ; Steuerung des Strukturwandels unter Leitung des Bundesbildungsministeriums )
2. Die inhaltliche Neuorientierung ist durch die pädagogische Wissenschaft in Theorie und Praxis vorzubereiten und durch eine neue Qualität in der Aus – und
Weiterbildung der Lehrkräfte abzusichern.
( Überwindung der grundsätzlichen Positionen zur Bildung und Erziehung durch die 68er ; Herausarbeitung und Begründung eines neuen Wertesystems ; altersspezifische Bildungsziele werden als einheitliches Lehrplanwerk für alle deutschen Schulen vorgegeben ; die Wege zum Erreichen der Ziele können unterschiedlich sein und sollten sogar andere Schulformen neben der Regelschule zulassen )

„Die Zukunft Deutschlands wird davon abhängen, dass wir die bewusste Erziehung unserer Kinder, orientiert an gemeinsamen Maßstäben und Überzeugungen, programmatisch zum ersten Thema der Nation machen, dass wir unsere Tatkraft, unsere Fantasie und unser Geld in den Dienst der Erziehung unserer Kinder und Jugendlichen stellen. Nur durch offensiv betriebene Erziehung und Bildung und den Mut, konsequent die anerkannten Werte in Tugenden bei jungen Menschen zu wandeln, können wir Kinder und Jugendliche für ein Leben mit wenigen Zukunftserwartungen stärken.“
Bernhard Bueb, Lob der Disziplin, Ullstein, S.32

Auf der zuletzt gestalteten Theorie-Seite meiner HP ( über den Inhalt kann man sich im Archiv informieren ) hatte ich auf die besondere Bedeutung von Bernhard Buebs „Lob der Disziplin“ verwiesen. Obwohl es sich nach seinen eigenen Angaben um eine Streitschrift handelt, enthält dieses Buch eine Vielzahl von Überlegungen, die, untermauert durch Beispiele aus der pädagogischen Praxis, durchaus als ein Ansatzpunkt für einen grundlegenden Wandel in der Pädagogik angesehen werden können.
Ich fände es nicht abwegig, wenn bestimmte Grundsätze seiner Auffassungen, die sich mit Erlebnissen aus meiner eigenen Arbeit als Lehrer durchaus decken, zukünftig in der Ausbildung der neuen Lehrergeneration eine wesentliche Rolle spielen.
Deshalb möchte ich, beginnend mit dem zweiten Teil dieser aktuellen Seite, bei der Gestaltung der Folgeseiten meine Erfahrungen aus der Lehrertätigkeit in Beziehung setzen zu einigen wesentlichen Aussagen in Bernhard Buebs Streitschrift.
 
Obwohl ich nun schon fast sechs Jahre den Schuldienst beendet habe und meinen jetzigen Rentnerstatus absolut genieße, bleibt es nicht aus, dass ich Eltern ehemaliger Schüler oder sogar ehemalige Schüler selbst treffe. In Gesprächen bestätigen sie, dass sie in meinem Unterricht sehr gut gelernt haben, was in ihrer weiteren schulischen oder beruflichen Entwicklung immer von Vorteil war. Diese Erfahrung, dass Schüler mir bestätigten, dass sie aus dem Unterricht viel „mitnehmen“ konnten, machte ich in unterschiedlicher Weise schon in meiner „aktiven Zeit“. Beispielsweise sagte ein Schüler nach einer Vertretungsstunde, in der ich Deutsch unterrichtete: „Ja, das war `ne tolle Stunde. Jetzt habe ich den Unterschied zwischen Aktiv und Passiv verstanden!“ Meine Gegenfrage nach dem Warum beantwortete er so: „Heute waren alle ruhig und haben aufgepasst, alle haben mitgearbeitet. Das war richtig interessant!“
Oder Kollegen einer weiterführenden Schule kamen zu mir und bestätigten, dass Schüler, die bei mir mehrere Jahre Unterricht hatten, hinsichtlich ihres Wissens und ihrer Arbeitsmethoden sich deutlich von Schülern aus anderen Schulen unterschieden und von Anfang an zu den Besten gehörten.
In gleicher Weise kommt in Gesprächen mit Eltern, die Kinder zu „meiner Zeit“ in der Schule hatten und in der Gegenwart auch noch schulpflichtige Kinder haben, zum Ausdruck, dass sie sich einen konsequenten, klar zielbestimmten und disziplinierten Unterricht wünschten. Oft müssten ihre Kinder Nachhilfeunterricht nehmen, weil sie aus dem Unterricht zu wenig „mitbringen“ und die Zensuren für eine Versetzung oder die Bewerbung um eine Ausbildungsstelle nicht ausreichen.

Wie kam es zu solchen Aussagen über meine Arbeit als Lehrer? Hatte ich den Stein des Weisen gefunden, nach dem andere Lehrer vielleicht vergebens suchten?

In meiner Lehrertätigkeit galt ich als strenger, unnachgiebiger und bisweilen sogar autoritärer Lehrertyp. Das führte zwangsläufig zu „Reibereien“ mit einzelnen Schülern, manchmal sogar ganzen Klassen. Auch mit der Schulleitung und verschiedenen Klassenleitern blieb in bestimmten Situationen der Ärger nicht aus.
Höre ich heute die Meinungen über meine Arbeit in der Schule von ehemals „Betroffenen“, kann ich nur sagen, dass ich damals offensichtlich Vieles richtig gemacht habe.


Auch Bernhard Bueb, von dem ich zu meiner Lehrerzeit noch nichts gehört hatte, vertritt eine solche Auffassung von Bildung und Erziehung.
„Mut zur Erziehung heißt vor allem Mut zur Disziplin. Disziplin ist das ungeliebte Kind der Pädagogik, sie ist aber das Fundament aller Erziehung. Disziplin verkörpert alles, was Menschen verabscheuen: Zwang, Unterordnung, verordneten Verzicht, Triebunterdrückung, Einschränkung des eigenen Willens. Disziplin setzt an die Stelle des Lustprinzips das Leistungsprinzip: Jede Einschränkung ist erlaubt oder sogar geboten, die dem Erreichen eines gesetzten Zieles dient. Disziplin beginnt immer fremdbestimmt und sollte selbstbestimmt enden, aus Disziplin soll immer Selbstdisziplin werden. Disziplin in der Erziehung legitimiert sich nur durch Liebe zu Kindern und Jugendlichen.“
( B. Bueb, a. a. O., S. 17f. )

Damit möchte ich die aktuelle Seite abschließen und verspreche, auf der nächsten Seite weitere Zusammenhänge zwischen persönlichen Erfahrungen und Ansichten und den Auffassungen B. Buebs zu beleuchten.


Freuen würde ich mich natürlich über Meinungen meiner Gäste im Gästebuch! 
 

 

 

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!

Diese Redewendung ist den meisten Menschen bekannt und es soll auf der aktuellen Seite nicht darum gehen den Inhalt dieser Aussage auf seine Richtigkeit hin zu untersuchen. Fest steht, dass durch diesen Inhalt ein Vorgang zum Ausdruck gebracht wird, der aus den pädagogischen Erfahrungen vieler Jahrhunderte erwachsen ist. Und sicher ist das Wort „lernen“ hier auch im weitesten Sinne gebraucht, das heißt es beinhaltet nicht nur die Aneignung von Kenntnissen, sondern bezieht sich ganz bestimmt auf die Herausbildung gesellschaftlich determinierter Verhaltensweisen von der frühkindlichen Entwicklungsphase bis zum Erwachsenenalter.
Wie ich im zweiten Teil meiner vorherigen Seite angekündigt hatte, möchte ich weiter auf bestimmte Standpunkte aus Bernhard Buebs „Lob der Disziplin“ eingehen und diese mit meinen Erfahrungen aus der Lehrertätigkeit verbinden sowie Position zu aktuellen Ereignissen in der Bildungs- und Erziehungsarbeit beziehen.
Seit meinem Ausscheiden aus dem aktiven Schuldienst verfolge ich in den Medien Berichte und Meldungen aus dem Bereich der Bildung und Erziehung. Dies ist insofern schwierig, da ja in den einzelnen Bundesländern deutlich unterschiedliche Ansatzpunkte in Fragen der Bildung und Erziehung vorhanden sind. Und so ist es auch nicht einfach, sich zu Sachverhalten, die aus anderen Bundesländern stammen, ein kompetentes Urteil zu bilden. Deshalb beziehen sich meine Beispiele in erster Linie auf Vorgänge in Brandenburg und Sachsen, weil ich hier durch persönliche und familiäre Erfahrungen den besten Einblick in Vorgänge des Bildungswesens habe.
In einem ersten Beispiel möchte ich auf einen scheinbaren Widerspruch eingehen, der immer wieder in den Medien auftaucht und von einer Reihe Verantwortlicher aus Bildung und Erziehung energisch unterstützt wird. Dabei geht es vordergründig um die Länge der Schulzeit bis zum Abitur. Nach der deutschlandweiten Verkürzung auf eine zwölfjährige Gesamtschulzeit bis zur höchsten Stufe der Allgemeinbildung gibt es immer wieder Einwände hinsichtlich der Qualität des so genannten „Turbo-Abiturs“.
Ich denke, dass es nicht die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur ist, die zum Absinken der Qualität der Endergebnisse führt, sondern eine ganze Reihe anderer Ursachen dafür verantwortlich ist.
An der Spitze steht aus meiner Sicht der Umgang mit der Zeit, die im Schuljahr über viele Jahre hinweg für das Lernen vorgesehen ist. Hier hat in den letzten Jahren die Effektivität stark nachgelassen. Die konzentrierte und systematische Lernarbeit im präzise geplanten und unter Führung des Lehrers ablaufenden Unterricht weicht immer öfter als Projekt definierten außerunterrichtlichen Veranstaltungen. Hier geht es meist darum, den Bedürfnissen der Schüler nach Spaß und „Action“ entgegenzukommen und erst in zweiter Linie um die Vermittlung und Aneignung exakter Kenntnisse und Fertigkeiten. Einerseits steckt hinter dieser Vorgehensweise ein Versuch, den strengen Regeln der Didaktik auszuweichen und die Unterrichtsöde interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten, andererseits widerspiegelt sie das Entgegenkommen der Schule, den Schülern mehr Freiheit und Unabhängigkeit zu gewähren.
In der Bewertung dieses Vorgehens schließe ich mich völlig B. Bueb an , der in seinem „Lob der Disziplin“ schreibt: „Diese Gleichsetzung von Freiheit und Unabhängigkeit entspricht jugendlichem Denken. Sie wurde durch den pädagogischen Irrtum vieler Eltern, Lehrer und Erzieher, vor allem auch Erziehungstheoretiker unterstützt, dass junge Menschen Freiheit erwerben, indem man ihnen frühzeitig Freiheit gewährt, Freiheit als Unabhängigkeit von Führung und Autorität……..Freiheit ist kein Zustand, sie ist die späte Frucht einer langen Entwicklung, man erwirbt sie durch unendliche Stadien der Selbstüberwindung, des Wandels von Disziplin zur Selbstdisziplin.“ (Bernhard Bueb, Lob der Disziplin, Ullstein, S.34)
Es brauchte einige Jahre, um diese grundlegende Erkenntnis auch in meiner eigenen Arbeit als Lehrer umzusetzen und nicht nur einmal erlag ich den gleichen Irrtümern, wie sie auch B. Bueb ( Vgl. B.Bueb a.a.O. S.35ff. ) beschreibt. Es mussten einige Dienstjahre vergehen, bevor ich begriffen hatte: „…nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss“ (frei nach J.W.Goethe).

An einem zweiten Beispiel möchte ich auf ein weiteres Problem verweisen, das ebenfalls eine nicht unwesentliche Rolle in der Effizienz unseres Bildungswesens spielt.
Das Problem, um das es geht, wird in einem Witz deutlich, der unter Lehrern in der DDR-Zeit
kursierte. „Bei einem Spaziergang der Vorschulgruppe eines Kindergartens läuft den Kindern ein Eichhörnchen über den Weg. Die Kinder sind überrascht und erfreut zugleich, denn noch nie hatten sie ein solches Tier aus dieser Nähe gesehen. Die Kindergärtnerin fragt nun die Kinder: „Wer kann mir sagen, was das für ein Tier ist?“ Die Kinder schweigen unsicher. Die Kindergärtnerin will ihren Schützlingen helfen: „Na, überlegt doch mal, worüber haben wir die ganze letzte Woche gesprochen?“ Da meldet sich der kleine Thomas: „Ich weiß es, das ist der Lenin!“
Hier wurden Kinder einer bestimmten Altersstufe mit einer Sache konfrontiert, die sie inhaltlich einfach noch nicht verarbeiten konnten und die Schlussfolgerung in ihrer eigenen Logik führt zwangsläufig zur Pointe des Witzes.
Nun mag der eine oder andere sagen, dass es so etwas heute nicht mehr gibt. Falsch gedacht!
In der heutigen Ausgabe einer Regionalzeitung wurde ein Bericht abgedruckt, der von drei zusammenhängenden Projekttagen an einer Grundschule erzählte. Schüler der ersten Klasse sollten darstellen, wie sie sich das Leben auf einer mittelalterlichen Burg darstellen. Ist das eine altersgemäße Forderung? Wird hier nicht dem später einsetzenden Geschichtsunterricht die „Show“ gestohlen? Ich meine solche Projekte lassen eine gewisse Systematik des Lern- und Erziehungsprozesses vermissen und sind in ihrer Anlage zu sehr auf die bereits genannten
„Supererlebnisse“ ausgerichtet.
Eine andere Situation erlebte ich in der eigenen Familie. Unsere Enkelin hatte im Rahmen einer Projektarbeit eine Aufgabe zu lösen, die sie eigentlich nicht überforderte. Aber der gesamte Ablauf der Arbeit bis hin zu den Konsultationen war von der betreuenden Lehrerin unzureichend geplant. Das Ergebnis war für die Arbeitsgruppe, zu der unsere Enkelin gehörte, am Ende niederschmetternd. Eine Kritik bzw. Beschwerde bei der verantwortlichen Lehrerin wurde von dieser zurückgewiesen. Auch hier bestätigte sich also, dass solch ein projektartiges freies Arbeiten der Schüler einer exakten Planung bedarf, die Hilfe und Unterstützung von betreuenden Lehrern erfordert und in ein System der Gesamtzielstellung und des Gesamtablaufs eingepasst werden muss.
Dass man die Kombination von altersentsprechendem Dazulernen und Spaß auch anders gestalten kann, bewies die Grundschule „Rosa Luxemburg“ Luckau anlässlich des Kindertages am 1. Juni:


Kleine Forscher und Handwerker in Luckauer Grundschule Luckau

Körbe flechten, Brennesselsuppe kochen oder eine Harke mit alten Werkzeugen bauen – Schüler und Kitakinder konnten beim gestrigen Kinderfest viel ausprobieren. Erstmals wurde das Fest von der Grundschule und der Stadt gemeinsam organisiert.

Dominik töpfert das erste Mal. »Das ist ganz schön glitschig«, sagt er und hält seine Finger an einen kleinen Tonklumpen auf der rotierenden Töpferscheibe. Später will er noch beim Nistkastenbau schauen und eine Brennesselsuppe probieren. An über 40 Stationen können Kinder der Luckauer Grundschule und Kitas verschiedenste Dinge rund um das Thema »Geschichte-Brandenburg-handgemacht« ausprobieren, wie Regenwürmer mikroskopieren, Blaudruck oder Lederbeutel nähen
(aus LR vom 02.06.2010)

Diese Art des Herangehens ist wohlüberlegt und stellt für alle Kinder keine Überforderung dar und greift den Zielstellungen des späteren Unterricht nicht vor.

abgelegt am 28.07.2010

 

 Nichts Neues an der pädagogischen Front?
 
Wollen wir mal so sagen, es hat sich nichts Wesentliches verändert : In den Schulen der Republik wird wieder gearbeitet – halt, das stimmt nicht ganz, Baden-Württemberg und Bayern haben noch Ferien – wie immer.
Vom Bildungswesen spricht so gut wie niemand, denn es gibt ja wichtigere Dinge als die Schule – es ist schließlich keine PISA-Zeit und Wahlen stehen auch nicht an - wie immer.
Der Bildungsminister Brandenburgs ist fast jeden Tag im Fernsehen des Landes (rbb) präsent. Das mag auch daran liegen, dass er neben dem Bildungswesen auch noch anderen Ressorts vorsteht. Er legt den Grundstein für neue Einrichtungen in seinen Verantwortungsbereichen, er weiht neue oder sanierte Einrichtungen ein, indem er strahlend Bändchen durchschneidet, er frühstückt gemeinsam mit Grundschülern aus der BIO-Brot-Box. Das alles mag sicher sehr anstrengend sein und lässt kaum Zeit, sich zu notwendigen inhaltlichen Veränderungen zu positionieren, um endlich eine höhere Effizienz nach einem zehn- oder zwölfjährigem Schulbesuch zu erreichen – wie immer.
 
Gibt es also gar nichts Neues im neuen Schuljahr?   - DOCH!
 
  • In Brandenburg wird mit Beginn des Schuljahres 2010/11 ein Schüler-Bafög eingeführt
  • Der Schulsozialfonds in Brandenburg wird bis Dezember 2011 verlängert
  • Neue Rahmenlehrpläne in den Fächern Geschichte und Politische Bildung sehen vor, dass die DDR-Geschichte bereits ab Klasse 7 behandelt wird
  • In Berlin wird mit dem Beginn des neuen Schuljahres der „Berliner Weg“ beschritten, nach der Grundschule gibt es nur noch zwei Typen der Sekundarschule: das Gymnasium und die Integrierte Gesamtschule
 
Daneben haben die Spitzen des brandenburgischen Bildungsministeriums Tag für Tag und Woche für Woche eine Menge zu tun, wie aus Ihrem Terminkalender (www.mbjs.brandenburg.de) zu ersehen ist.
Dass Brandenburg aber hinsichtlich der Bildungsstrategie auf dem richtigen Weg ist, beweist ein jüngster Leistungsvergleich in den 3. Klassen. Immerhin konnten sich die Brandenburger Schüler deutlich vor den am Ende platzierten Berlinern einordnen. Ist doch was – oder?
So berauschend scheint es nun auch wieder nicht zu sein, denn der Bildungsminister H. Rupprecht (SPD) zeigte sich unzufrieden und verkündete in einer Aktuellen Stunde des Landtags: „Wir müssen und werden ein gemeinsames Verständnis von Grundbildung sichern und praxisorientiert für die Arbeit im Unterricht konkretisieren.“
Was immer dies auch heißen mag, es soll zu dieser Grundbildung ein Grundwortschatz ebenso gehören wie definierte Mindestanforderungen für ausgewählte Jahrgangsstufen. Auch werden den Lehrkräften in der ersten und zweiten Klasse Möglichkeiten zugestanden, mit den Stundentafeln flexibel umzugehen, wenn Defizite beispielsweise im Lesen bestehen.
Außerdem kündigte Rupprecht einen Meinungsaustausch mit Schulleitern und Lehrern aus allen Schulämtern an. Anschließend will sein Ministerium ein mittelfristig wirkendes Maßnahmepaket entwickeln, über dessen Verwirklichung die Rückstände Brandenburgs gegenüber den meisten anderen Bundesländern aufgeholt werden können.
 
Die Botschaft hör’ ich wohl – allein mir fehlt der Glaube!
 
Seit nunmehr fast 20 Jahren versucht man in Brandenburg ein dem Land angemessenes Bildungswesen zu entwickeln. An diesen Versuchen waren Fachleute unterschiedlichster
Couleur beteiligt und nicht jeder konnte auf eine solide pädagogische, didaktische und psychologische Grundausbildung zurückgreifen. Meist standen zu sehr politische und finanzielle Aspekte im Vordergrund, wenn es darum ging, über Grundlegendes in der Bildungslandschaft Brandenburgs zu entscheiden. Ein absolutes Tabu blieb allerdings das Bildungssystem der DDR. Die Nutzung wissenschaftlich begründeter und überzeugender Erkenntnisse der Pädagogik und Psychologie überließ man anderen Staaten, die sich dann beim PISA-Vergleich deutlich vor den deutschen Bundesländern platzierten.
Inzwischen gab es hier offensichtlich einen Sinneswandel: Bestimmte positive Erfahrungen aus dem Schulbetrieb der DDR werden einfach übernommen (besser vielleicht neu erfunden), erhalten einen neuen Namen und als Erfindung aktueller „Bildungsexperten“ dargestellt( z.B. BBZ = Berufsberatungszentrum als ständige Einrichtung in der DDR = heute zunehmend an Bedeutung gewinnend – Vgl. H. Rupprechts Diskussion mit Schülern der Otto-Tschirch-OS in Brandenburg/Havel am 25.08.10; Pflichtweiterbildung für alle Lehrer in Grund- und Spezialkursen in einem bestimmten Zyklus von Jahren in der DDR-Schule = nach den wenig überzeugenden Ergebnissen der Brandenburger Schüler sieht das Bildungsministerium einen erweiterten Bedarf in der Fort- und Weiterbildung zumindest in den betroffenen sprachlichen Fächern). Auch Begriffe wie „muttersprachliches Prinzip“, „Mindestwortschatz“, „Ganztagsschule“ dürften Lehrern, die bereits in der DDR-Schule unterrichteten nicht ganz unbekannt sein.
Wie dem auch sei, selbst solche Versuche der Erneuerung und Verbesserung des Bildungsbereiches bleiben ja Stückwerk, weil in Deutschland gerade in diesem äußerst wichtigen Bereich der Gesellschaft geradezu mittelalterliche Zustände herrschen. Wie anders sollte man den Föderalismus in der Bildungspolitik mit all seinen negativen Folgen bezeichnen?
Da gibt es immer wieder Versuche (z.B. Hamburg will die Grundschulzeit verlängern, der Senat erleidet durch Volksentscheid eine Niederlage; Berlin geht nur halbherzig an den gegliederten Schulaufbau und muss sich der Angriffe aus anderen Bundesländern erwehren), die aber an den föderativen Strukturen und den konservativen Auffassungen in Bildung und Erziehung in einzelnen Bundesländern scheitern.                
Verfolgt man die Auseinandersetzungen unter den für die Bildungspolitik Verantwortlichen, so ist nicht zu übersehen, dass oft Versuche zur Niveausteigerung im Bildungsbereich parteipolitischen Streitereien zum Opfer fallen oder Maßnahmen, wie zum das Schüler-Bafög für Schüler aus einkommensschwachen Familien in der Abiturstufe, als toller Erfolg gewertet werden, obwohl sie letztendlich nicht unbedingt zur Verbesserung der Bildungsergebnisse beitragen werden.
Auf meinen zuvor gestalteten Seiten zu Themen aus der deutschen Bildungslandschaft habe ich schon mehrfach hervorgehoben, wie wichtig die Qualität der Bildungsabschlüsse der Absolventen unserer Schulen für die gesamte Gesellschaft ist. Und ich möchte es hier zum Abschluss noch einmal tun und die aus meiner Sicht entscheidenden Grundvoraussetzungen dafür nennen:
 
1.Die Gesamtstruktur des Bildungswesens in der Bundesrepublik Deutschland muss von Grund    auf verändert werden. Diese Aufgabe kann nur durch die Bundesregierung gelöst werden.  
( Überwindung des kleinstaatlichen Bildungsföderalismus ; gleiche Bildungsgänge und Schulabschlüsse in allen Bundesländern ; Steuerung des Strukturwandels unter Leitung des Bundesbildungsministeriums )
2.Die inhaltliche Neuorientierung ist durch die pädagogische Wissenschaft in Theorie und Praxis vorzubereiten und durch eine neue Qualität in der Aus – und
Weiterbildung der Lehrkräfte abzusichern.
      ( Überwindung der grundsätzlichen Positionen zur Bildung und Erziehung durch die
       68er ; Herausarbeitung und Begründung eines neuen Wertesystems ; altersspezifische
       Bildungsziele werden als einheitliches Lehrplanwerk für alle deutschen Schulen
       vorgegeben ; die Wege zum Erreichen der Ziele können unterschiedlich sein und
       sollten sogar andere Schulformen neben der Regelschule zulassen )
 

 Abgelegt am 12.11.2010

 

 
         E S    I S T   K A U M    Z U   G L A U B E N   . . .
 
( . . . was aus einem Land der Dichter und Denker geworden ist . . )
 
Schon seit den schlechten Ergebnissen deutscher Schüler bei den PISA – Testen ist den Verantwortlichen und „Experten“ bekannt, dass es um das Bildungswesen in Deutschland schlecht bestellt ist.
Die Tatsache, sich aus internationalen Vergleichen im Bildungsbereich zurückzuziehen, sorgte zwar für mehr Ruhe im Lande, löste jedoch das Grundproblem des Bildungssektors, ausreichend gebildete Nachwuchskader für alle anderen Bereiche der Gesellschaft heranzubilden, unzureichend.
Dieser Mangel konnte in den letzten Jahren immer noch dadurch kaschiert werden, dass der Bedarf an gebildeten Nachwuchskräften geringer war als die Anzahl der Schulabgänger und hoch qualifizierten Fachkräfte.
Übrigens warnten Vertreter des Handwerks und anderer Ausbildungsbetriebe schon seit vielen Jahren vor dem ständig sinkenden Gesamtniveau der Schulabgänger.
Doch nun haben sich die Verhältnisse aufgrund des demografischen Faktors dramatisch verändert. Immer weniger Schulabgänger ( die zu geringe Geburtenrate in Deutschland ist dafür die Ursache ) verlassen die Schulen. Und das bereits angesprochene sinkende Gesamtniveau der Abgänger führen zu ernsthaften Überlegungen unter den verantwortlichen Politikern darüber, wie das Problem gelöst werden kann. Dass hier vor allen Dingen Druck aus der Wirtschaft gemacht wird, ist verständlich, der momentane Anstieg der Produktion und das damit verbundene Wachstum der Wirtschaft schreien förmlich nach mehr qualifiziertem Personal.
 
Im Chinesischen gibt es ein Sprichwort: Wer dem Fluss wehren will, muss die Quelle verstopfen.
Von dieser Weisheit scheinen die „Bildungsexperten“ noch nichts gehört oder ihren Sinn nicht erfasst zu haben. Wie anders sind ansonsten aktuelle Schlussfolgerungen für den Bildungsbereich in unserem Land zu verstehen.
 
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) jüngst in den Tagesthemen (ARD)
 
"Unsere Wirtschaft kann sich auf bis zu 300.000 neue Fachkräfte freuen ……Angesichts der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland finde ich, dass wir nicht den Eindruck erwecken sollten, zu uns muss niemand mehr kommen. Wer die wirtschaftliche Dynamik erhalten will, die wir haben, wer sich die Bevölkerungsentwicklung ansieht, der weiß, wir müssen attraktiv sein für Fachkräfte aus anderen Ländern".
 
Unterstützung erhält diese Auffassung von einem anderen Mitglied der aktuellen Regierung.
 
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) im „Handelsblatt“
"Das Thema, wie Deutschland für ausländische Facharbeiter endlich attraktiv wird, steht ganz oben auf meiner Agenda….Ich plane für die nächsten Monate eine Fachkräfte-Initiative." Ihm gehe es darum, "ein Gesamtkonzept zu entwickeln, mit dem qualifizierte ausländische Arbeitnehmer nach Deutschland kommen".
"Es ist denkbar, dass einige Unternehmen, die es sich leisten können und dringenden Bedarf haben, ausländischen Facharbeitern eine Lockprämie zahlen…….Der Fachkräftemangel wird in den nächsten Jahren zum Schlüsselproblem für den deutschen Arbeitsmarkt und nicht die Arbeitslosigkeit.“
 
In ähnlicher Weise äußert sich auch die derzeitig Verantwortliche für den deutschen Arbeits-
Markt.
 
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in den Yahoo! -Nachrichten vom 19.10.2010
 
"Wir müssen ganz konkret werben, dass die Besten in unser Land kommen.“
"Sie können aus allen Ländern kommen, wenn sie die Sprache beherrschen, wenn sie bereit sind, das Land voranzubringen"
 
Das also ist des Pudels Kern : Deutschland will seine Arbeitsmarktprobleme, die letztlich auf eine verfehlte Bildungs -und Arbeitsmarktpolitik in den letzten Jahren zurückzuführen ist mit Hilfe qualifizierter ausländischer Arbeitskräfte lösen.
Und hier wird der Zusammenhang mit dem chinesischen Sprichwort deutlich: Nicht die Beseitigung der jahrzehntelangen Versäumnisse in Familien – und Bildungspolitik wird als Weg propagiert, sondern die billigere Variante zur Lösung des Problems gewählt.
Damit beweist die schwarz-gelbe Regierung, dass sie gewillt ist, die Anwerbepolitik aus den 1960iger Jahren neu aufleben zu lassen, ohne die Folgeerscheinungen solcher Maßnahmen langfristig zu berücksichtigen.
Untermauert wird dieser Lösungsweg durch beispielsweise folgende Maßnahmen:
 
·        Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre ( ein Grund ist sicher, hoch qualifizierte Arbeitskräfte länger im Beruf zu halten; gleichzeitig aber auch durch vorzeitige Berentung Gelder zu sparen, denn vorzeitige Arbeitsplatzverluste sind eher die Regel)
·        Anerkennung ausländischer Studienabschlüsse in kürzeren Fristen für bereits in Deutschland lebende Menschen. „Wir wollen das Potenzial, das in unserem Land schlummert, aktivieren . . . . Wir erwarten zu Recht von Zuwanderern, dass sie unsere Werte respektieren. Aber umgekehrt können Zuwanderer von uns erwarten, dass wir ihre Qualifikationen und ihre Bereitschaft zur Integration anerkennen."( A. Schavan (CDU) in der „Financial Times Deutschland“)
 
Und was geschieht im Bildungsbereich? N I C H T S ! Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der OECD verdeutlicht noch einmal die Situation in der deutschen Bildungslandschaft. Nur 25% eines Jahrgangs der Schulabgänger erwerben einen akademischen Abschluss ( in anderen Industrienationen sind es mittlerweile schon 38%).
 In den letzten 10 Jahren stieg im Schnitt der 30 wichtigsten Industrienationen die Zahl der Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss pro Jahr um 4,6%, in Deutschland dagegen nur um 0,9%.
In Deutschland wurden 2007 laut OECD-Bericht nur 4,7% seines Bruttoinlandproduktes für Bildung ausgegeben. Damit rangiert Deutschland unter den OECD-Ländern nur noch vor der Slowakei, Tschechien und Italien. Das ist beschämend!
 
Zusammenfassend kann ich mich nur den Worten von Ulrich Thöne (GEW-Vorsitzender) anschließen :
„Die „Bildungsrepublik Deutschland“ wird eine Fata Mogana bleiben. Alle Rechentricks der Finanzminister, Sonntagsreden der Politiker und Bildungsgipfeln der Regierenden zum Trotz : Im internationalen Vergleich bestätigt sich, ….dass Bund und Länder sich seit vielen Jahren hartnäckig weigern, den Bildungsbereich ausreichend und angemessen zu finanzieren.“

                                                                                                               ( E & W 10/2010)   

abgelegt am 23.12.2010  

 

Die Minister kommen und gehen, die Probleme bleiben


Als der Rücktritt des Brandenburger Innenministers Speer nur wenige Tage alt war und die Jäger aus dem Lager der Opposition im Bündnis mit den Landesmedien noch unverhohlen ihre Freude zeigten, die sie natürlich als Sieg der Demokratie werteten, wurde der nächste „Angriff“ auf die rot-rote Koalition bereits gestartet.
In der Abendsendung „Klartext“ des rbb-Fernsehens am 19.01.2011 wurde die nächste
politische Affäre eingeläutet, in deren Mittelpunkt der Bildungsminister des Landes, Holger Rupprecht, stand. Der ihm vorgeworfene Amtsmissbrauch führte letztlich zu seinem Rücktritt. An seiner Stelle agiert jetzt die vorherige Wissenschaftsministerin Martina Münch. Die promovierte Medizinerin im Fachgebiet Neurologie und stellvertretende Landesvorsitzende der SPD ist Mutter von sieben Kindern. Aber prädestinieren sie diese Umstände, das Amt des Bildungsministers eines Landes zu übernehmen?
Ein Rückblick auf die Besetzung des Amtes des Bildungsministers im Land Brandenburg nach 1990 macht deutlich, dass Frau Münch in dieser Funktion beileibe keine Ausnahme ist.

1990 – 1994 Frau M. Birthler ( Außenhandelskaufmann / Katechetin ) tritt 10/92 zurück,
weil sie mit dem Umgang mit M. Stolpes Vergangenheit nicht einverstanden
ist; organisiert die Patenschaft Brandenburgs mit NRW in der Bildung.

Herr R. Resch ( Ing. für Wasserwirtschaft ) übernimmt das Amt bis zum Ende
der Legislaturperiode.

1994 – 1999 Frau A. Peter ( Lehrerin Ge/Sp ) übernimmt das Amt an Stelle der aus
gesundheitlichen Gründen verzichtenden Frau Dr. Spielmann; in ihre Dienstzeit
fällt die Einführung des Faches LER;
Am Ende der Legislaturperiode gibt sie das Amt ab.

1999 – 2004 Herr St. Reiche ( Pfarrer ) ;er war bereits von 1994 bis 1999 als Minister für
Wissenschaft, Forschung und Kultur tätig und übernahm in der neuen Legis –
laturperiode das Amt des Bildungsministers. Dieses verlor er allerdings am
Ende derselben. Über die Gründe liest man in der MAZ vom 30. 09. 2009 :
Der Ministerpräsident hatte den damaligen Bildungsminister Reiche nach der Landtagswahl 2004 überraschend geschasst. Reiche, der seit 1994 zunächst als Kultur- und danach als Bildungsminister dem Kabinett angehört hatte, galt als schwierig und sprunghaft. Tragisch ist, dass Reiche nicht über Skandale oder fachliches Versagen stolperte. Selbst Kritiker attestieren ihm noch heute, dass er vor allem als Bildungsminister ohne parteipolitische Scheuklappen agierte und offen für unkonventionelle pädagogische Ansätze war. Doch mit seinem Elan überforderte er viele. Reiche legte ein Tempo vor, das im sensiblen Schulbereich zunehmend Verständnislosigkeit auslöste und Kabinettskollegen ratlos zurückließ. Reiches Eifer machte selbst vor peripheren Themen, wie dem Abschaffen des Schulklingelns, nicht halt.

2004 – 2011 Herr H. Rupprecht ( Lehrer Sp/Geo ) ; ein Mann vom Fach mit der bisher
längsten Dienstzeit eines Bildungsministers in Brandenburg; stolpert über eine
Dienstwagenaffäre, die von der Opposition und den Medien gnadenlos
ausgenutzt wird und ihn im Januar 2011 zum Rücktritt zwingt.
Frau M. Münch ( Ärztin für Neurologie ) ; seit 2004 Mitglied des Landtages
in Brandenburg und nach der Landtagswahl 2009 als Ministerin für Wissen –
schaft, Forschung und Kultur tätig; wird im Februar 2011 das Amt des
Bildungsministers übernehmen.

Betrachtet man diese Übersicht, so fallen selbst einem Laien mehrere Dinge zugleich auf:
•Seit 1990 wurde das Amt des Bildungsministers, also des Hauptverantwortlichen für die Entwicklung der Bildungslandschaft in Brandenburg häufig neu- bzw. umbesetzt.
•Nur selten war dieses Amt von echten Fachleuten besetzt, die eine den Anforderungen dieser Funktion entsprechende Ausbildung hinter sich hatten. Darin widerspiegelt sich das Primat der Politik („Du kannst, was du musst“). Ausschlaggebend ist nicht die erforderliche Fachkompetenz, sondern die Bereitschaft, die moralische (parteiliche) Pflicht zu erfüllen.

Ich bin mir sicher, dass in den oben genannten Fakten auch eine Ursache für den unzureichenden Aufschwung im Bereich der Bildung in Brandenburg zu suchen ist. In den Wahlprogrammen ( Vgl. im Archiv meiner HP) beweisen die Parteien der Regierungskoalition, dass sie eigentlich wissen, woran das Bildungswesen des Landes kränkelt. Und sie benennen die richtigen Schwerpunkte, an denen es zu arbeiten gilt. Jedoch werden später diese grundlegenden Positionen nicht konsequent genug umgesetzt. Ich meine damit solche Feststellungen, dass an die Stelle des gegliederten ein integratives Schulsystem treten muss, dass die Bildungschancen für alle Kinder gleich sein müssen und dass die Arbeit der Lehrer in der Gesellschaft größere Anerkennung finden muss.
Nun berauscht man sich nach den jüngsten PISA – Untersuchungen an den minimal gewonnenen Plätzen unter den Teilnehmerländern. Dabei wird allerdings nicht geklärt, wodurch diese Besserplatzierung zustande kam. Fakt ist, und das belegen konkrete Beispiele des Alltags, dass das Bildungswesen nicht in ausreichendem Maße gleiche Bildung für alle Kinder garantiert. Da wird von Kindern bildungsferner Schichten (schon allein der Begriff ist eine Farce!!) gesprochen, die von vornherein geringere Entwicklungschancen haben, und deren Anzahl von Jahr zu Jahr größer wird. In gleicher Weise vergrößert sich die Zahl derjenigen Schulabsolventen, deren Wissen und Können nicht ausreicht, um den Anforderungen einer Lehrausbildung gerecht zu werden.
Der Föderalismus in der Bundesrepublik verhindert eine durchgreifende Veränderung des Schulsystems. Es ist eine Tatsache, dass ein längerer gemeinsamer Bildungsweg, einige Länder in Europa und in anderen Staaten beweisen dies eindeutig, die Chancen aller Kinder positiv beeinflusst. Gleiches gilt für allgemeingültige Bildungsstandards, die allen Schulabschlüssen Gleichwertigkeit verleihen würde. So äußert sich zu dieser Problematik der User Rainer Schwedt: Die Kleinstaaterei in Deutschland verhindert ein einheitliches Gefüge bereits in den Kindergärten, Grundschulen und fortlaufenden Bildungseinrichtungen. Es ist unerklärlich wie die Bundesregierung mit der erkauften Föderalismusrefom das Bildungssystem aus der Hand gab. (http://daserste.ndr.de/panorama) Im gleichen Forum stellt Kersten Damisch konkrete Folgen der verfehlten Bildungspolitik in der eigenen Familie dar: Wir können ein Lied davon singen. Sind mit unseren Töchtern 11/17 von Ost-Thüringen nach Oberbayern gezogen, um der lähmenden Arbeitslosigkeit zu entfliehen. Bestraft wurde unsere Entscheidung damit, dass beide Kinder vom guten Durchschnitt zur Versetzungsgefährdung gelangt sind. Das fängt schon damit an, dass im Vorfeld einem keiner in unterstützender Weise in Form von Beratung zur Seite stehen will und kann. Dieses Schulsystem kann man nur als eine riesengroße Katastrophe bezeichnen.

Ein weiterer Schwerpunkt der jetzigen Regierungsparteien im Wahlkampf war die Notwendigkeit einer höheren Anerkennung der Arbeit der Pädagogen. Dazu gehören neben einer materiellen Verbesserung, die sich in den Portmonees der Lehrer bemerkbar machen soll, auch die günstigeren Arbeitsbedingungen in den Schulen.
Wie es darum bestellt ist, erfährt man aus einem Bericht, den Willy-Fred Thoms in der Beilage der Zeitschrift „Erziehung und Wissenschaft“ veröffentlicht hat:

Was ist an Brandenburger Schulen los?

Von meiner Rundreise durch die Schulen des Kreises Teltow-Fläming, die ich
3- 4 Mal im Jahr realisiere, habe ich einiges zu berichten. Diesmal besuchte ich die Vertrauensleute und Ansprechpartner der Schulen, um die Weihnachtskarten an den Landtagspräsidenten zu verteilen und in Gesprächen mit den Lehrkräften zu motivieren an der GEW- Aktion teilzunehmen.
An der ersten Schule, eine kleine Grundschule, war die Schulleitung damit beschäftigt, die Eltern der Kinder telefonisch zu erreichen. Den zweiten Tag in Folge stiegen die Raumtemperaturen nicht über 16 °C. Also musste geklärt werden, dass die Kinder ab Mittag den ersten Bus benutzen werden, um nach der Beschäftigung in der Schule nach Hause fahren zu können.
An der zweiten Schule, ebenfalls eine Grundschule fand in geheizten Räumen der „Unterricht“ statt. Die Türen zu allen Klassenräumen waren geöffnet und die Lehrkräfte wanderten von einem Raum zum Anderen. 5 Langzeitkranke bei 13 Lehrkräften veranlasste die Schulleitung, die Kollegen zu verpflichten, zwei Klassen pro Stunde zu beaufsichtigen. Was passiert eigentlich, wenn in einem Raum, der zurzeit ohne Aufsicht ist, ein Kind zu Schaden kommt? Wissen die Lehrkräfte eigentlich worauf sie sich einlassen? Von Unterricht kann natürlich in diesem Zusammenhang keine Rede sein. Mal sehen, wann sich die ersten Eltern beim Schulamt beschweren? In den ersten 4 Wochen passierte jedenfalls nichts.
In der dritte Schule, diesmal eine Oberschule, die ich aufsuchte, schien alles normal zu laufen. Im unteren Flur saßen Schülerinnen und Schüler zweier Klassen, die Ausfall hatten. Zwei Kollegen hatten sich am frühen Morgen krank gemeldet. Der „Stelli“ war noch nicht soweit die Vertretung zu organisieren. Selbst wenn die Kollegen sich abends gemeldet hätten, mit 7 Stunden Vertretungsreserve ist die Vertretung nicht zu stemmen. Ein 14 jähriger junger Mann lief durch das Gebäude und eine Lehrkraft hinterher. Ich hielt den Jungen auf, damit die Kollegin des Schülers habhaft werden konnte. Im Gespräch stellte sich heraus, dass er den Klassenraum unaufgefordert verlassen hat und nun „Streiche“ im Schulhaus organisieren wollte. Er ließ aber nicht mit sich reden. Nur durch körperliches Auftreten meinerseits blieb er überhaupt stehen. Gestern hatte er in einem ähnlichen Fall auf der Jungentoilette Papier angezündet und das zuständige Heim, in dem er untergebracht ist, kann die Betreuung am Vormittag nicht realisieren.
In der nächsten Schule, ebenfalls eine Oberschule hatte der Schulleiter etwas Zeit für mich. Nachdem ich mein Anliegen geschildert hatte, brach es aus ihm heraus. Kein Weihnachtsgeld für die Beamten. Welche Wertschätzung für die geleistete Arbeit erfährt denn eine Lehrkraft in diesem Land Brandenburg.
- Keine! -. Gehaltskürzungen seit Jahren (Zwangsteilzeit, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld), sind die Maßnahmen der Landesregierung und des MBJS. Für schlechte Ergebnisse in Vergleichstest werden aber sofort die Lehrkräfte durch den Bildungsminister verantwortlich gemacht. Unterstützung, durch z.B. zwei zusätzliche Lehrkräfte, wie an der zweiten Schule dringend notwendig, gibt es aus dem Schulamt nicht. Die Stellenauslastung im Staatlichen Schulamt Wünsdorf liegt bei einhundert Prozent. Alle kranken Beamten können nicht mehr ersetzt werden. Und bei den Angestellten muss die Schulleitung erst einmal sechs Wochen warten.
Mein Fazit für diese Rundreise: Alles normal in den Schulen des Kreises Teltow-Fläming.

( E & W plus 02/2011)

Die Folgen dieser „Normalität“ sind nicht zu übersehen. Lehrerkollegien mit einem sehr hohen Durchschnittsalter ( Durchschnitt in Brandenburg deutlich über 50 Jahre) sind natürlich krankheitsanfällig und diese Tatsache wird durch Unterbesetzung und damit verbundener „unplanmäßiger“ Mehrarbeit verstärkt. Dass dieses Vorgehen nicht unbedingt zur Steigerung der Qualität des Unterrichts beiträgt, ist für mich leicht nachvollziehbar. Ich erinnere mich an meine aktive Zeit an der Schule, denn das Problem stand schon damals (vor 2004!). Es gab an der Schule keine Vertretungsreserve, obwohl ein großer Teil der Kollegen nicht mit vollem Stundenumfang eingesetzt war. Bei Krankheit eines Lehrers oder mehrerer Lehrer oder anderer Umstände und dem damit verbundenem Vertretungsbedarf war Unterrichtsausfall vorprogrammiert. Die Vertretung durch einen fachfremden Kollegen konnte und kann immer nur eine Ersatzlösung für einen kurzen Zeitraum sein.
Wenn ich nun heute erfahre, dass sich an dem Zustand nichts verändert hat, wundert es mich nicht, dass es immer wieder Klagen hinsichtlich des Niveaus der Schulabgänger und der Bewerber in den Lehrbetrieben gibt. Der Prozess der Bildung und Erziehung erfordert eine wissenschaftlich gestützte, ergebnisorientierte und finanziell abgesicherte Führung durch das Bildungsministerium und dies ist im Land Brandenburg offensichtlich nicht gegeben.
Der Ministerpräsident des Landes sieht die genannten Probleme nicht so krass. Seinem scheidenden Bildungsminister, Holger Rupprecht, bestätigt er, sich für mehr Qualität in der Bildung engagiert zu haben. Ausdruck dafür seien die Verbesserung des Betreuungsschlüssels in den Kitas, die Einführung des Schüler – Bafögs für Abiturienten und die Neueinstellung von Lehrern trotz knapper Kassen. (Quelle: merkur-online. de vom 27.01.2011)
Dass gerade dieser letzte Punkt nicht ganz so gesehen werden kann, wollen die Brandenburger Lehrer am 8. März mit einer Demonstration in Potsdam deutlich machen. Die Verantwortlichen in Potsdam haben in ihrer Rechnung nicht berücksichtigt, dass im Zeitraum bis 2013 nicht nur der Lehrerbedarf durch den Ausbau der Ganztagsschulen weiter steigt, sondern in diesem Zeitraum gleichzeitig rund 3000 Lehrkräfte aus dem Schuldienst ausscheiden. Das bedeutet, dass im genannten Zeitraum mindestens 1800 Lehrer zusätzlich eingestellt werden müssten. Und dazu passt so gar nicht, dass im kommenden Jahr im Bildungsbereich 28 Millionen Euro eingespart werden sollen. Der GEW-Landeschef, Günther Fuchs, meint in diesem Zusammenhang: „ Wenn man in der Formel 1 mitfahren will, kann man sich nicht mit dem Trabi in die Poleposition stellen. …… Die Landesregierung hat ein Wahlversprechen gebrochen.“ ( MAZ vom 16.02.2011, Seite 5)

Zum Schluss möchte ich noch einmal die am Anfang gestellte Frage nach der Eignung von Frau Münch für das Amt des Bildungsministers in Brandenburg aufgreifen.
In ersten Aussagen betont sie die Kontinuität, mit der sie die Bildungspolitik Rupprechts fortsetzen will. Das allein wird allerdings nicht ausreichen, um qualitative Veränderungen herbeizuführen. Aber „ob ihre Schulpolitik Furore macht, wird dabei nicht nur die Opposition beurteilen. Sieben Kritiker aus der Praxis – zwischen sechs und 19 Jahren alt – sitzen abends am heimischen Küchentisch. (MAZ-online, 29.01.2011)

 abgelegt am 01.07.2011

 

                       Quo vadis Bildungswesen in Brandenburg?

 

 

Am 02. Juni 2011 waren es 100 Tage, dass die neue Bildungsministerin, Martina Münch, ihr Amt von ihrem Vorgänger, dem wegen einer Dienstwagenaffäre gescheiterten Holger Rupprecht, übernommen hat. Es ist also an der Zeit ( in der Politik gelten diese 100 Tage nach Funktionsübernahme als „Schonzeit“), nachzufragen, was denn die neue Ministerin in ihrer neuen Funktion so bewegt hat. Auskunft darüber gibt sie selbst in einem Interview, dessen Wortlaut in der LR vom 03. Juni 2011 erschienen ist.
Ich möchte versuchen, wesentliche Aussagen der Antworten der Bildungsministerin zusammenfassend wiederzugeben:
„…ich habe mittlerweile fast alle Referate im Haus besucht und weiß, an welchen Themen gearbeitet wird – und ich weiß, wen ich ansprechen kann, wenn ich eine Frage habe. ….
Baustellen im Sinne von unerledigten Aufgaben gab es nicht. …..Das drängendste Thema derzeit ist sicherlich die Umsetzung von Inklusion an den Brandenburger Schulen. Wir wollen die Schulen in die Lage versetzen, künftig alle Schüler – egal welche geistigen, emotionalen und körperlichen Voraussetzungen sie haben – aufnehmen und bestmöglich fördern und unterstützen zu können. ….Neben dem großen Thema Inklusion möchte ich die Selbstständigkeit von Schulen stärken und die Qualität von Schule verbessern. ….Wichtig ist mir auch die Neuausrichtung des Lehramtsstudiums – da haben wir noch Verbesserungsbedarf…..Insgesamt heißt das Ziel: Wir brauchen effektive, aber auch bezahlbare Strukturen.
….Als Bildungsministerin kann ich bereits ganz früh – am Anfang des Bildungsweges – Weichen stellen, damit jedes einzelne Kind die bestmögliche Förderung und Unterstützung erhält. Das ist hochspannend und eine große Verantwortung. …. Kein Kind zurücklassen – das ist für mich ein zentrales Anliegen. Ich möchte, dass diese Vision im Jahre 2030 Wirklichkeit ist. Kein Kind zurücklassen bedeutet, dass wir alle Kinder bestmöglich fördern und dass wir kein Kind ausgrenzen. Ich wünsche mir, dass Schulen offene Lernorte fürs Leben sind, an denen viele teilhaben und mitarbeiten.“
 
Jeder Besucher meiner Homepage mag sich ein eigenes Bild über die Aussagekraft der Inhalte der Antworten unserer Bildungsministerin machen. Ich möchte mich in meiner aktuellen Seite auch nicht mit jeder inhaltlichen Aussage kritisch auseinandersetzen (obwohl es nottäte), sondern mich auf das Problem konzentrieren, das schon im oben zitierten Text hervorgehoben ist.
Dieser Tage gibt es unter den Bildungsverantwortlichen, die sich gern als Experten bezeichnen, obwohl sie weit davon entfernt sind, ein „Zauberwort“ – die inklusive Pädagogik.
„Das drängendste Thema derzeit ist sicherlich die Umsetzung von Inklusion an den Brandenburger Schulen.“ Diese Aussage, einschließlich der dann folgenden Erläuterungen, lässt erkennen, dass die Ministerin die ganze Größe und Bedeutung des notwendigen völligen Wandels des Bildungssystems noch nicht erkannt hat. Sie erfasst es vordergründig als eine politische Aufgabe, die zudem auch noch durch die UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen „abgesichert“ ist. Dass sie es wirklich so verstanden hat, macht ihre zweite Aussage in diesem Zusammenhang deutlich: „Insgesamt heißt das Ziel: Wir brauchen effektive, aber auch bezahlbare Strukturen.“ Anders gesagt, wir machen in Brandenburg Inklusion, weil es die UN-Konvention so verlangt und weil es zurzeit modern ist, aber es darf nicht zuviel kosten. Dahinter verbirgt sich sicher auch die Aufgabe, im Bildungsressort ab dem kommenden Jahr mit 25 Millionen Euro weniger auszukommen und das wäre durch Schließung von Förderschulen vielleicht gut machbar.
Aber so einfach ist die Sache nicht, Frau Ministerin Münch!

Ich erinnere mich an meine aktive Zeit als Lehrer an unterschiedlichen Schulformen. Immer wieder ga